75 Jahre revue – eine wechselvolle Geschichte

Die eigentliche Geschichte der revue hat am 1. September 1945 begonnen. Zwar hatte es hierzulande kurz vor der deutschen Besatzung bereits eine Illustrierte gleichen Namens gegeben. Aber diese fiel der Besatzungsmacht zum Opfer. So gründete der Zeichner und Glasmaler Emile Probst die Zeitschrift nach dem Krieg neu: mit einem von ihm selbst gezeichneten Muskelprotz auf dem Cover. Gedruckt wurde bei der in der hauptstädtischen Avenue de la Gare ansässigen Druckerei Bourg-Bourger. Nachdem Probst die Illustrierte an Bourg-Bourger verkauft hatte, blieb sie fast vier Jahrzehnte lang im Besitz des Unternehmens.  

War bereits die Anfangszeit nach dem Krieg eine schwierige Phase, in der es an Papier mangelte, aber nicht an Ideen, so waren auch die darauffolgenden Jahrzehnte wechselvoll. Geprägt wurde die Zeitschrift, die ab 1949 nicht mehr nur alle zwei Wochen, sondern wöchentlich erschien, immer von den Menschen, die sie produzierten. Das war zum Beispiel die Chefredakteurin Katrin C. Martin, die in den Dreißigern in Argentinien gelebt und dort für das „Argentinische Tageblatt“ geschrieben hatte, zu jener Zeit eine der wenigen liberalen und antinationalsozialistischen deutschsprachigen Zeitungen.  Die 1901 in Petingen geborene, in Niederkorn und Bondorf aufgewachsene Journalistin war weltgewandt und zugleich heimatverbunden – und so sollte auch die revue sein. Einer ihrer Nachfolger, Lucien Thiel, schrieb später von einer „One-Woman-Show“, denn Katrin C. Martin schrieb, „redigierte, illustrierte, dirigierte und repräsentierte das Blatt“. Auch nach ihrem Wegzug nach Florenz 1955 blieb sie der revue als freie Autorin unter Pseudonym treu.  

Für das Renommee als Illustrierte sorgten in den ersten Jahrzehnten nicht zuletzt Fotografen wie Pol Aschman, Jean Weyrich und Jochen Herling, die der revue ihren Stempel aufdrückten. Aschman leitete darüber eine Zeit lang die Redaktion und prägte das Blatt mit seinem eigenwilligen Schreibstil ebenso wie die vielen bekannten Journalisten nach ihm, angefangen von Léon N. Nilles, der fast ein Vierteljahrhundert lang zuerst Chefredakteur und dann Direktor war, aber auch Autoren wie Nic Weber, Michel Raus, Rolph Ketter, Evy Friedrich, Fred Junck und Mitgründer Paul Leuck.

Ob zuerst in Schwarz-Weiß und später in Farbe, die revue durchlief nicht nur verschiedene Formen der Drucktechnik, sondern führte auch Journalisten mit unterschiedlichen Schreibstilen zusammen, die es verstanden, sowohl zu informieren als auch zu unterhalten. In der Sonderausgabe zum 75. Geburtstag zeigen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Ausschnitte, Schmankerl und Highlights aus der Geschichte unseres Magazins. 

Besonders wichtig waren und sind der revue bis heute ihre Leser und Abonnenten. Eine Form der Leser-Blatt-Bindung war übrigens die mit einer Monatslotterie kombinierte Lebens- und Invalidenversicherung – „Gléckspolice“ genannt. Die Zeiten ändern sich. Generationen kommen und gehen. Das gilt für die Leser wie auch für jene, die an der Zeitschrift mitgewirkt haben und mitwirken. Die revue hat sich verändert, auch die Erscheinungstage ebenso wie die Erscheinungsform, das Format oder das Layout, aber an Beständigkeit hat sie nicht verloren. Nach wie vor ist sie ganz im Sinne von Katrin C. Martin: weltgewandt und heimatverbunden. 

 Stefan Kunzmann